Aktualisiert:
01.06.2016

EWL-Logovektor
Historie

40 Jahre Weltladen Krefeld - ein Rückblick

Im Mai 1976 wurde der „Arbeitskreis Dritte Welt e.V.“ gegründet. Pfarrer Rudolph Weßler vom Gemeindedienst für Weltmission und Mitglieder von Amnesty International wollten sich dafür einsetzen, die Probleme der ärmeren Länder auf der südlichen Halbkugel mehr ins Bewusstsein der Krefelder Bevölkerung zu bringen und Produkte von dort zu angemessenen Preisen zu verkaufen

Da mich durch meinen Deutschunterricht am Ausländer-Studienkolleg der Fachhochschule Niederrhein diese Arbeit sehr interessierte, trat ich sofort dem neu gegründeten Verein bei, um dort mitzumachen.

Dass diese Mitarbeit dann 40 Jahre währen würde, hätte ich mir damals natürlich niemals gedacht, zumal wir in diesen Jahren noch glaubten, dass weltweit mehr unternommen werden würde, die Armut auf der Welt in wenigen Jahren zu mindern. Im Laufe der Zeit mussten wir also lernen, unsere Arbeit nicht zu überschätzen, sondern realistischer zu werden.

Nach vielen Überlegungen sind wir auch bei dem Namen „Arbeitskreis Dritte Welt e.V.“ geblieben. Natürlich gefällt uns der Gedanke der einen Welt, in der wir leben, weshalb wir auch unseren Laden in „Eine-Welt-Laden“ umbenannt haben. Die rechtlich schwierigere Änderung des eingetragenen Vereins haben wir nicht vorgenommen, weil der Ausdruck Dritte Welt zeigt, dass wir uns mit wirtschaftlich benachteiligten Regionen dieser Welt beschäftigen.

Bei meinem Rückblick heben sich für mich zwei Dinge besonders hervor:

Erstens bin ich erstaunt über die vielen verschiedenen Tätigkeiten, die vom Arbeitskreis Dritte Welt ausgingen. Da war der faire Warenhandel des Ladens, der auch noch heute im Vordergrund steht. Dann gab und gibt es die vielen Informationsveranstaltungen, von denen wir sicher mehr als 500 durchgeführt haben. Wir beteiligten uns an vielen Anti-Apartheids-, Anti-Rüstungs- und Anti-Atomkraft-Demonstrationen und Friedensmahnwachen, versuchten uns einzusetzen für Hoffnungen auf eine gerechtere Welt. Die Not der vielen Flüchtlinge, die Anfang der 80er Jahre nach Deutschland kamen, wurde uns schon damals vor Augen geführt. Wir organisierten Hilfe bei der Wohnungssuche, beim Ausländeramt und für die Schule – so wie es heute Mitglieder von uns im Bündnis für Toleranz und Demokratie tun. Nachmittags verwandelte sich unser Laden an der Neuen Linner Straße in ein reges Nachhilfeinstitut mit vielen Jugendlichen, die mit Begeisterung Unterricht erteilten. Mit Altpapiersammeln setzten wir uns im Umweltbereich ein. Auf dem Katholikentag spielten wir Theater und kritisierten dabei die Praxis multinationaler Konzerne. Es entstanden Arbeitsgruppen zu Nicaragua und zum Südlichen Afrika.

Einen hohen Stellenwert besaß die spezielle Information über unsere Partnerorganisationen in Tansania und Indien und die Unterstützung von dortigen Entwicklungsprojekten. Auch heute noch bestehen Kontakte nach Indien und Selbsthilfegruppen dort werden unterstützt.

Das zweite, was mich bei meinem Rückblick vor allem bewegt, sind die vielen Menschen, die bei uns mitgemacht haben, die immer noch mitmachen, die sich in anderen Organisationen für die gleichen Ziele einsetzen, überhaupt die uns bei unserer Arbeit begegnet sind.

In den ersten Jahren zeigten ausländische Studierende großes Interesse an der Arbeit im Laden. Viele unserer selbstverständlichen Positionen wurden hinterfragt, und wir lernten, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Dann stieß ein ganzer Schwung junger Schüler und Schülerinnen zu uns. Binnen kurzem entstand eine ganz andere Atmosphäre im Laden auf der Neuen Linner Straße. Auf mehreren klappernden Schreibmaschinen wurden Handzettel, Rundbriefe und Zeitungsartikel auf Matrizen getippt, und dann mit Kurbelmaschinen vervielfältigt. Die von Begeisterung getragenen Ideen der Jugendlichen lehrten uns manches Mal, der Kreativität wenig Grenzen zu setzen, um die Aktivitäten nicht zu stoppen.

Neue Jugendliche machten sich stark für einen Umzug: raus aus der Nische in der Neuen Linner Straße und näher zum Zentrum! So zogen wir 1989 zum Westwall. In Eigenständigkeit und mit Spaß wurde der Laden renoviert und eingerichtet, und alle waren froh über die nun steigenden Umsätze, die auch größere Informationsmöglichkeiten mit sich brachten und neue Leute in den Laden lockten.

So hat sich im Laufe der 27 Jahre, die wir nun schon am Westwall residieren, auch das Ladenteam wieder verändert. Nach wie vor wird mit großem Einsatz versucht, dem Fairen Handel zu größerem Erfolg zu verhelfen. Nicht nur im Laden wird verkauft, sondern auch mehrmals im Monat an zahlreichen Ständen im Stadtgebiet oder bei Kirchen.

Die Einsatzbereitschaft, etwas zu tun gegen die Probleme auf der Welt, die in den letzten Jahren nicht weniger geworden sind, hat nicht nachgelassen, auch wenn viele von uns Engagierten inzwischen älter geworden sind und wir dringend junge Leute für die Nachfolge suchen.

Eine Ermutigung für uns waren und sind auch zahlreiche Menschen aus Krefeld und von außerhalb, die nicht direkt Mitglieder waren und sind, uns aber mit großem Wohlwollen begleitet und beraten oder mit Geldzuwendungen unterstützt haben. Dazu gehören auch Menschen von uns nahe stehenden Organisationen, von Fair-Handels-Organisationen, Dachorganisationen und anderen, von Kirchen, von Parteien. Aus mancher Begegnung haben wir eine Menge lernen können. Dafür sagen wir sehr herzlichen Dank!

40 Jahre Arbeitskreis Dritte Welt e.V. – die konnten nur zustande kommen durch den ständigen Einsatz von so vielen Menschen, die immer wieder – auch wenn es manchmal für sie eine Last wurde – weiter gemacht haben. Vorherrschend für uns alle ist letztlich aber doch die Freude an dieser gemeinschaftlichen Arbeit.

 

Gerlinde Wientgen

 

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